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Version: 2026.11

Schätzen: die Grundlagen

Betterplan schätzt den Umfang einer Story in Story Points. Dieses Kapitel erklärt das Prinzip. Das konkrete Schätzen in der Oberfläche beschreibt Schätzen.

Story Points sind relativ​

Ein Story Point hat keine Einheit wie Stunden oder Tage. Er ist eine abstrakte Größe, die das Verhältnis zweier Stories ausdrückt: Ist diese Story doppelt so groß wie jene, bekommt sie doppelt so viele Punkte.

Das funktioniert, weil du Größenverhältnisse schnell und verlässlich einschätzen kannst, auch ohne zu wissen, wie lange du für etwas brauchst. Zwei Sandhaufen: Dass der eine etwa fünfmal so groß ist wie der andere, siehst du sofort. Wie viele Stunden das Schaufeln dauert, weißt du erst, nachdem du den ersten Haufen weggeschafft hast.

Daraus folgt:

  • Die erste Zahl im Backlog ist die schwerste. Diese Zahl ist der Referenzpunkt für alles Weitere. Danach vergleichst du: doppelt so viel Arbeit wie die 3? Dann eine 8.
  • Relatives Schätzen ist robust. Wenn etwas alle Stories gleichermaßen betrifft, ändern sich die Verhältnisse nicht.
  • Unterschiede decken Missverständnisse auf. Schätzen zwei Personen dieselbe Story sehr verschieden, sehen sie offenbar unterschiedlich viel Arbeit. Das lohnt ein Gespräch.

Die Skala​

Betterplan bietet eine Fibonacci-ähnliche Skala an: 0, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 60, 100. Die Abstände wachsen mit der Größe, denn je größer eine Story, desto ungenauer kannst du sie schätzen. Bist du bei einer 8 unsicher, nimm die 13. Die Unsicherheit steckt dann bereits als Puffer in der Zahl.

Nicht schätzen, was keine Punkte hat

Geschätzt werden User Stories. Für Project und Devteam Stories sowie für Workitems gibt es keine Story Points, siehe Story-Typen.

Du musst nicht alles schätzen​

Das ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Betterplan: Jede User Story ohne eigene Schätzung bekommt automatisch einen vorläufigen Wert. Du musst nicht jede Story schätzen, um planen zu können.

Der Grund: Eine neue Story hat zu Beginn die geringste Informationsdichte, die sie je haben wird. Sie jetzt genau zu schätzen kostet Zeit und liefert wenig. Betterplan rechnet deshalb vorläufig mit dem Median aller bisherigen Schätzungen im Projekt. Er ist robust gegen Ausreißer, lernt mit jeder Schätzung dazu und wird erfahrungsgemäß ab etwa 30 geschätzten Stories belastbar. Du siehst ihn als ≈ an der Karte und kannst ihn jederzeit mit einer eigenen Schätzung überschreiben.

Die Folge: Dein Backlog ist von Anfang an abgeschätzt, und Prognose, Timeline und Kosten funktionieren sofort. Schätze eine Story selbst, wenn sie reift, spätestens auf dem Weg zu Bereit. Wie das aussieht und wie du eingreifst, steht unter Automatische Schätzung.

Velocity ist keine Geschwindigkeit​

Die Velocity ist die Menge an Story Points, die dein Team typischerweise pro Iteration schafft. Betterplan bildet den Durchschnitt der drei zuletzt abgeschlossenen Iterationen. Aus Summe der Punkte und Velocity ergeben sich Dauer und Prognose (siehe Prognose und Progress).

Der Begriff führt leicht in die Irre. Velocity bedeutet nicht reine Geschwindigkeit („Wie viel haben wir gearbeitet?“), sondern Geschwindigkeit mit Richtung: „Wie nah kommen wir dem Ziel?“ Deshalb gelten zwei Regeln:

  1. Nur Stories, die geliefert wurden, zählen. Eine Story zählt erst, wenn sie Erledigt und Geschlossen ist. Abgebrochene Stories liefern keine Punkte.
  2. Nur User Stories zählen. Bugs, Refactorings und andere technische Arbeit bringen das Team nicht näher ans Ziel. Sie laufen ohne Punkte, damit die Velocity sauber bleibt.

Halte deine Velocity sauber. Nur dann machst du Engpässe und echten Fortschritt sichtbar, und nur dann ist die Prognose verlässlich.

Velocity nicht als Leistungsmaß missbrauchen

Die Velocity ist Planungsgrundlage des Teams, kein Vergleichswert zwischen Teams und keine Zielvorgabe. Wird sie zum Ziel, schätzen Teams großzügiger, und die Zahl verliert ihren Wert.

Mehr zum Hintergrund​

Siehe auch​