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Version: 2026.11

Priorisieren

Priorisieren gilt für viele Product Owner als das größte Problem ihrer Arbeit. Betterplan hilft auf zwei Wegen: mit einer globalen Prioritätsregel, die für das ganze Projekt gilt, und mit dem Storyboard, das dir die erste Priorisierung erleichtert. Die beiden sind nicht dasselbe. Diese Seite erklärt den Unterschied am Beispiel QuickCart.

Die globale Regel: Stop starting, start finishing​

Die Priorität einer Story steigt mit ihrem Reifegrad: Was am weitesten fortgeschritten ist, hat die höchste Priorität. Erst abschließen, dann Neues anfangen. Innerhalb einer Stufe entscheidet die Reihenfolge im Backlog von oben nach unten: Was oben steht, ist als Nächstes dran.

Die Stufen, von der höchsten zur niedrigsten Priorität:

ZustandAnmerkung
Erledigt (noch offen)Höchste Priorität: Die Arbeit ist fertig und wartet nur noch auf das Schließen
In Arbeit
Zu erledigen
Bereit
Entwurf
Idee
GeschlossenNiedrigste Stufe: beendete Stories, hier ist nichts mehr zu tun

Die Zustände erklärt die Seite Zustände. Die Regel nennt sich nach dem Prinzip dahinter: Wer anfängt, bevor etwas fertig ist, verteilt Aufmerksamkeit und verlängert jede Durchlaufzeit.

Wo die Regel gilt

Die globale Priorität bestimmt die Reihenfolge der Karten in jeder Spalte des Backlog-Kanbans, die Reihenfolge der Swimlanes auf dem Iteration Board und die Abfolge, in der die Delivery Timeline die offenen Stories einplant. Die Prognose folgt also dieser Regel und nicht der Reihenfolge im Storyboard.

Buckets als Zwischenstufe​

Gibt es Buckets, sortiert Betterplan innerhalb eines Zustands zuerst nach der Reihenfolge der Bucket-Zeilen und erst dann nach der Position in der Spalte. Stories ohne Bucket (Zeile Backlog) kommen nach allen Bucket-Zeilen. Die vollständige Reihenfolge lautet also: Zustand, dann Bucket-Zeile, dann Position in der Spalte.

Ein Beispiel aus QuickCart​

Das Verhalten ist nicht auf den ersten Blick einleuchtend, deshalb ein Beispiel. Im Storyboard von QuickCart steht das Epic Angebote & Aktionen mit der Story Promo-Codes anwenden in der ersten Initiative Stöbern & Einkaufen, also ganz links. Die Story Fahrer zuweisen liegt dagegen im Epic Verpackung & Versand der vierten Initiative Aufträge Abwickeln, weit rechts.

Welche Story ist wichtiger? Nach der Position im Storyboard wäre es Promo-Codes anwenden. Nach der globalen Regel ist es Fahrer zuweisen:

StoryZustandPriorität
Fahrer zuweisenIn Arbeitam höchsten
ZahlungsmethodenZu erledigendarunter
Bestellhistorie anzeigenBereitdarunter
Promo-Codes anwendenIdeeam niedrigsten

Fahrer zuweisen wird bereits umgesetzt, also soll sie zuerst fertig werden. Promo-Codes anwenden ist erst eine Idee. Im Kanban siehst du das an den Spalten. Die Delivery Timeline plant die Stories in derselben Rangfolge ein, obwohl das Storyboard es anders erzählt.

In der Spalte Idee stehen auch Bundle-Angebote und viele weitere Stories. Zwischen ihnen entscheidet allein die Reihenfolge in der Spalte: Die Karte weiter oben kommt zuerst.

Willst du, dass Promo-Codes anwenden früher kommt, hast du zwei Möglichkeiten: Ziehe die Story im Kanban weiter nach rechts, etwa nach Entwurf, wenn du sie tatsächlich klärst. Soll dagegen eine andere Idee, etwa Chat mit Fahrer, unter den Ideen zuerst drankommen, schiebe sie in ihrer Spalte nach oben (Nach oben verschieben). Ein Verschieben im Storyboard ändert nichts daran.

Das Storyboard ist für die erste Priorisierung​

Das Storyboard ist die User Story Map deines Vorhabens. Sein Wert für die Priorisierung liegt am Anfang: Wenn du dein Vorhaben richtig erzählt hast, ergibt sich aus der Struktur zwangsläufig ein erster Schritt, der vor dem zweiten passieren muss. Daraus entsteht deine erste Reihenfolge, die du dann im Backlog weiterführst.

Die Reihenfolge im Storyboard ist nicht die Priorität

Die Position einer Karte im Storyboard (Initiatives und Epics von links nach rechts, Stories im Stapel von oben nach unten) beschreibt die Struktur und die Erzählung. Sie ist eine eigene Reihenfolge, die Betterplan getrennt von der Priorität speichert. Ziehst du im Storyboard eine Story nach oben, verschiebst du sie in der Erzählung, nicht in der Priorität.

Die Struktur trägt die erste Priorität​

Ein Storyboard gliedert dein Vorhaben auf vier Weisen. Jede beantwortet eine andere Frage:

AchseWo im StoryboardFrage
ThemaInitiatives (Spalten oben)Worum geht es überhaupt?
ZeitEpics, von links nach rechtsWas muss vor was passieren?
OptionenStories im Stapel unter einem EpicWelche Varianten und Ausbaustufen gibt es?
WirkungRelease-ZeilenWelche Stories brauche ich, um ein Ziel zu erreichen?

Es gibt immer einen ersten Schritt, der vor dem zweiten passieren muss. Du musst also nicht alles gegeneinander abwägen, sondern nur innerhalb eines Epics und zwischen den Releases.

Schritt für Schritt am Beispiel QuickCart​

  1. Reihenfolge der Schritte prüfen. Lies die Epics von links nach rechts, in der Initiative Stöbern & Einkaufen also Produktsuche, Produktdetails, Warenkorb, Angebote & Aktionen. Stimmt die Erzählung nicht, ziehe das Epic an die richtige Stelle.
  2. Optionen im Epic ordnen. Unter jedem Epic stehen mehrere Stories als Alternativen. Ziehe die wichtigste nach oben. Das legt die Reihenfolge der Erzählung fest, also eure erste Annahme, ob die Suche zuerst Kategorien oder Filter liefern soll. Die verbindliche Priorität entsteht erst im Backlog (siehe oben).
  3. Releases festlegen. Ein Release ist ein Ziel. Ziehe die Stories, die das Ziel erreichen, in die Zeile des Releases, und lasse alles andere in einer späteren Zeile oder in Ungeplante Stories. In QuickCart steht in MVP - Kunde v1.0 das, was ein Kunde für die erste Bestellung braucht. Rabatte und Aktionen warten in v2.0 - Vollständige Plattform.
  4. Summen vergleichen. Das Σ an jeder Zeile addiert die Schätzungen. Ist ein Release größer, als dein Team schaffen kann, verschiebe Stories in das nächste. So schneidest du den Scope, bevor Arbeit beginnt (siehe Schätzen: die Grundlagen). Stories ohne eigene Schätzung zählen dabei schon mit, siehe Automatische Schätzung.
  5. Abhängigkeiten prüfen. Halte D gedrückt: Die Kabel zeigen, welche Story vor welcher kommen muss. Liegt eine blockierende Story in einem späteren Release als die blockierte, passt die Reihenfolge nicht (siehe Abhängigkeiten und Referenzen).
  6. Fokussieren. Klappe Initiatives mit Diese fokussieren und Release-Zeilen mit dem Pfeil ein, bis nur die Frage übrig bleibt, die du gerade klärst. Mit dem Filter zeigst du zum Beispiel nur ein Release.
  7. Im Backlog weiterführen. Wechsle ins Backlog-Kanban und bringe die Stories dort in die Reihenfolge, in der du sie wirklich angehen willst. Ab hier gilt die globale Regel.
Erst die Struktur, dann die Reihenfolge

Fällt dir die Priorisierung schwer, liegt es oft an der Struktur: Zu große Stories, Epics in falscher Reihenfolge oder ein fehlendes Release-Ziel machen jede Entscheidung mühsam. Räume zuerst die Struktur auf, die Priorität ergibt sich dann fast von allein.

Den Plan verteidigen​

Im Alltag kommen Stakeholder mit dringenden Anfragen. Dann hilft ein Plan, den du zeigen kannst. Die Roadmap stellt dieselben Releases als Ziele mit Features und Metriken dar, Orbit erzählt die Struktur als Bild, und die Delivery Timeline zeigt, was die globale Priorität in Terminen bedeutet. Du erklärst damit nicht nur, was als Nächstes kommt, sondern auch warum, und siehst sofort, was eine neue Anfrage verdrängen würde.

Mehr zum Hintergrund​

Siehe auch​