Automatische Schätzung
In Betterplan musst du nicht jede Story schätzen. Jede User Story ohne eigene Schätzung bekommt automatisch einen vorläufigen Wert, mit dem Scope, Prognose, Timeline und Kosten sofort rechnen. Dein Backlog ist damit vom ersten Tag an „abgeschätzt“, ohne dass jemand dafür Zeit in Gespräche mit wenig Informationswert stecken muss.
Warum nicht alles schätzen?
Eine neue Story hat zu Beginn die geringste Informationsdichte, die sie je haben wird. Eine genaue Schätzung steht dann selten im Verhältnis zum Nutzen. Gleichzeitig willst du so früh wie möglich einen groben Überblick über den Umfang deines Backlogs. Betterplan löst das, indem es die Arbeit des frühen Schätzens übernimmt und die genaue Schätzung auf den Zeitpunkt verschiebt, an dem du mehr über die Story weißt.
So entsteht der vorläufige Wert
Der vorläufige Wert ist der Median aller Schätzungen, die es im Projekt bisher für User Stories gibt. Der Median ist der mittlere Wert einer sortierten Reihe. Er ist robust, denn ein einzelner Ausreißer wie eine 100 verschiebt ihn kaum, und er verändert sich nur langsam. Das macht ihn zu einem stabilen Startwert.
Dabei gilt:
- Er lernt mit. Mit jeder Story, die du manuell schätzt, verschiebt sich der Median. Teams entwickeln oft ein unausgesprochenes Standardmaß, bestimmte Werte kommen häufiger vor als andere. Der Median bildet dieses Team-Maß ab.
- Er ist keine Wahrheit, sondern eine Annäherung. Mit wenigen Schätzungen im Projekt ist der Wert grob. Erfahrungsgemäß wird er ab etwa 30 geschätzten Stories belastbar.
- Du kannst ihn jederzeit überschreiben. Sobald du einer Story eine eigene Schätzung gibst, zählt diese.
- Ohne jede Schätzung gibt es keinen Wert. Solange keine einzige Story geschätzt ist, zeigt die Karte keine Zahl, und Scope und Widget zählen die Stories mit 0. Die Delivery Timeline rechnet für noch nicht eingeplante Stories dann mit 3 Punkten. Die erste eigene Schätzung setzt den Maßstab für alles Weitere (siehe Schätzen: die Grundlagen).
Der Median entsteht aus den Schätzungen von User Stories, und nur User Stories zeigen das ≈ und zählen in Scope und Widget damit. Dev- und Projekt-Stories sowie Workitems haben keine Story Points, siehe Story-Typen. Nur die Delivery Timeline setzt für Dev- und Projekt-Stories ohne Schätzung ebenfalls den Median als Balkenlänge an.
So erkennst du ihn in der Oberfläche
Eine Story ohne eigene Schätzung zeigt statt der Zahl das Zeichen ≈ und den Wert in kursiver Schrift, zum Beispiel ≈ 3. Du siehst es
- auf den Karten im Backlog-Kanban und auf dem Iteration Board,
- im Feld Schätzung der Ticket-Details,
- an den Balken der Delivery Timeline, dort mit dem Hinweis ≈ 3 Punkte - Schätzung per Median.
Summen, in die vorläufige Werte eingehen, etwa die Release-Summe im Storyboard, tragen ein Taschenrechner-Symbol in kursiver Schrift statt des Summenzeichens Σ. Die Summen erscheinen nur, wenn in den Projekteinstellungen Schätzdetails anzeigen eingeschaltet ist.
In der Schätzansicht sammelt die Spalte ? alle Stories ohne eigene Schätzung.
Das ≈ ist dein Hinweis, dass noch keine Entscheidung dahintersteht. Eine Story mit ≈ ist nicht „ungeschätzt und deshalb unplanbar“, sondern geschätzt mit dem Standardmaß deines Teams.
Schritt für Schritt am Beispiel QuickCart
- Öffne in Prepare das Kanban. Die Karte Promo-Codes anwenden in der Spalte Idee zeigt ≈ 3: der Median der geschätzten Stories in QuickCart.
- Das Estimation Widget unten links rechnet mit diesem Wert, ohne dass du etwas getan hast. Auch die Prognose und die Timeline berücksichtigen die Story.
- Wird die Story konkreter, klicke auf die Anzeige und wähle eine Zahl, etwa 5 Punkte. Ab jetzt zählt deine Schätzung, und das ≈ verschwindet.
- Willst du zurück zum vorläufigen Wert, wähle in derselben Liste Keine Schätzung. In den Ticket-Details ist der Eintrag gesperrt, solange die Story noch keine eigene Schätzung hat.
Wann du selbst schätzen solltest
Der vorläufige Wert ist ein Startwert, kein Dauerzustand. Schätze eine Story selbst, wenn
- sie reift und sich ihr Umfang erkennen lässt, spätestens auf dem Weg zu Bereit, bevor das Team sie umsetzt,
- sie deutlich größer oder kleiner ist als das, was der Median vermuten lässt,
- du eine Prognose für einen bestimmten Bereich brauchst, etwa ein Release, und dort die Genauigkeit zählt.
Alles andere kann warten. Der Zeitpunkt der Schätzung wandert damit dorthin, wo das Wissen ist.
Wirkung auf Prognose und Kosten
Weil jede User Story zählt, rechnen alle Auswertungen vom ersten Tag an:
- Scope und Restpunkte: Der Median geht in die Summe aller Punkte ein, also in den Scope in Progress, im Estimation Widget und in den Release-Summen.
- Prognose und Timeline: Die Dauer einer Story ohne Schätzung ergibt sich aus dem Median geteilt durch die Velocity, siehe Wie Betterplan prognostiziert.
- Kosten: Das Estimation Widget leitet aus den Restpunkten, der Velocity und den Kosten pro Iteration das voraussichtliche Ende und den Restbetrag ab (siehe Schätzen). Wer wissen will, was ein Bereich kostet, schaut es dort mit einem Filter nach.
Je mehr echte Schätzungen es gibt, desto weniger hängt die Prognose am Median. Er bleibt aber das Netz, das dich vor einer leeren Rechnung bewahrt.
Mehr zum Hintergrund
Der Blogartikel Automatische fiktive Schätzungen beschreibt die Idee dahinter. Er liegt nur auf Deutsch vor.